Am vergangenen Donnerstag erlebte der deutsche Strommarkt ein ungewöhnliches Phänomen: Für insgesamt 11 Stunden waren die Strompreise negativ. Diese Entwicklung stellt eine erhebliche Herausforderung für Stromproduzenten und Verbraucher dar.
Der drastische Preisverfall wurde primär durch den starken Zuwachs bei der Erzeugung von Wind- und Solarenergie verursacht. Die Windenergieproduktion konnte binnen weniger Tage um das Zehnfache gesteigert werden, ein Volumen, das weder speicherbar noch exportierbar ist. Selbst die Reduzierung der Stromproduktion aus konventionellen Energiequellen konnte den Preisverfall nicht aufhalten.
Am betroffenen Donnerstag wurde mit 644.321 Megawattstunden (MWh) Windstrom Onshore ein neuer Rekord aufgestellt – ein markanter Anstieg im Vergleich zu den 59.668 MWh, die am Montag derselben Woche produziert wurden. Die Produktion aus konventionellen Kraftwerken sank gleichzeitig von 527.728 MWh am Montag auf 324.927 MWh am Donnerstag, was einem Rückgang von etwa 40 % entspricht.
Trotz dieser Anpassungen konnte der Überfluss an erzeugter Energie nicht effektiv abgefangen werden. Die Folge waren nicht nur die 11 Stunden negativer Spotmarktpreise, sondern auch zwei weitere Stunden, in denen die Preise auf Null fielen. Dies führte zu einer Erhöhung der staatlichen Zuschüsse für die garantierte Einspeisevergütung, da die Preise fast den ganzen Tag unterhalb dieser Schwelle blieben.
Diese Situation belastet die finanziellen Ressourcen erheblich und stellt eine Gefahr für die Versorgungssicherheit dar. Die Bundesregierung steht unter Zugzwang, da die Kosten für die Einspeisevergütung rapide ansteigen. Netzbetreiber rechnen mit Ausgaben von 20 Milliarden Euro allein in diesem Jahr; ab 2026 könnten diese Kosten jährlich mindestens 30 Milliarden Euro erreichen.
Die Finanzierungslücke wächst stetig, da die Einspeisevergütung auch dann weitergezahlt wird, wenn der überschüssige Strom am Markt wenig oder keinen Wert hat. Deutschland muss zudem anderen Ländern Entgelte zahlen, um sie zur Aufnahme des überschüssigen Stroms zu bewegen und eine Überlastung des Stromnetzes zu vermeiden.
Experten raten von einer vorschnellen Abschaffung der Förderung für Ökostrom und einer Reduzierung der Ausbaupläne ab, da dies die Sicherheit der Stromversorgung gefährden könnte. Für die Erzeuger und Einspeiser bedeutet die anhaltende Situation mit niedrigen und negativen Strompreisen eine finanzielle Herausforderung, da die Vergütungen in solchen Zeiträumen sinken. Die verschärften Regelungen zur Förderreduzierung bei negativen Preisen sollen die Flexibilität der Stromerzeuger steigern und helfen, negative Preise zu vermeiden, dennoch nimmt die Häufigkeit negativer Preise weiter zu.