Zu Beginn des Monats April ist der Preis für Kalkammonsalpeter (KAS) spürbar gefallen. Händler an großen Umschlagplätzen und Importstandorten verlangen aktuell rund 370 Euro je Tonne. Damit liegt der Preis etwa 20 Euro unter dem Niveau vom Monatsanfang und sogar 35 Euro unter den Preisen von Ende März.
Die Marktentwicklung bleibt jedoch weiterhin instabil, da sich die Situation auf den internationalen Märkten zuletzt stark verändert hat. Auf der einen Seite treiben erhöhte Zölle und teure Importwaren die Unsicherheit an. Auf der anderen Seite führen deutlich gesunkene Energiekosten, insbesondere bei Gas und Öl, zu einer Senkung der Produktionskosten in der Düngemittelbranche. Der europäische Gaspreis, ein entscheidender Kostenfaktor für Düngemittelhersteller, ist diese Woche um mehr als sieben Prozent auf 33,8 Euro je Megawattstunde gesunken. Damit verzeichnet er nun bereits die dritte Woche in Folge einen Rückgang und nähert sich aktuell einem Siebenmonatstief.
Diese rückläufige Preisentwicklung beim Erdgas sorgt für etwas Entlastung am europäischen Markt. Im Winter zuvor waren die Gasspeicher aufgrund der starken Kälte außergewöhnlich leer geblieben. Auch international kam es zuletzt zu einer gewissen Beruhigung, nachdem die US-Regierung unter Präsident Trump angekündigte Zollerhöhungen für einen Großteil der Länder um 90 Tage verschoben hatte. Dies reduzierte zunächst Befürchtungen über eine globale Krise in Handel und Wirtschaft. Jedoch hat sich diese Erleichterung kürzlich wieder verschlechtert, da das chinesische Finanzministerium die Zölle auf Waren aus den USA nun auf 125 Prozent anheben will. Die USA wiederum bestätigten, dass die auf chinesische Waren angewendeten Zölle zusammengerechnet bereits 145 Prozent erreichen.
Angesichts dieser erneuten Eskalation bleiben die Händler vorsichtig, vor allem hinsichtlich der zukünftigen Verfügbarkeit und Lieferung von Flüssigerdgas (LNG) nach Europa. So ist aktuell noch unklar, welche Folgen der Handelsstreit zwischen den USA und China konkret auf die Gasversorgung haben könnte. An deutschen Importhäfen notierten die Spotpreise für Harnstoff in der zweiten Aprilwoche bei etwa 495 Euro je Tonne. Dies bedeutet einen Preisrückgang von elf Euro gegenüber Monatsbeginn und sogar rund 40 Euro im Vergleich zu Ende März.
Dabei könnte der Handelskonflikt, abhängig von den beteiligten Ländern, auch die globalen Handelsströme von Düngemitteln verändern. So gilt China etwa als bedeutender Exporteur von Phosphor– und Stickstoffdüngern wie Harnstoff. Wie lange diese Situation anhält, hängt maßgeblich vom Verlauf der laufenden Handelsverhandlungen ab, die das internationale Marktgefüge jederzeit neu ordnen könnten. Die USA verzichteten zuletzt auf zusätzliche Strafzölle gegen Russland, wodurch sich für russische Düngerproduzenten neue Exportmöglichkeiten in Richtung der Vereinigten Staaten ergeben.
Angesichts dieser schwierigen Marktbedingungen bleibt auch die europäische Düngemittelindustrie unsicher. Sowohl Düngemittelimporteure als auch Hersteller und Landwirte können kaum zuverlässig planen. Infolge dieser allgemeinen Unsicherheit nennen zahlreiche Händler und Produzenten noch keine konkreten Preisvorstellungen für die kommende Saison und agieren momentan äußerst zurückhaltend.