Der Kartoffelanbau sieht sich zunehmend mit der Bedrohung durch Alternaria konfrontiert, einem Erreger, der erhebliche Ertragseinbußen verursachen kann. Diese Krankheit wird durch zwei pilzliche Erreger hervorgerufen: Alternaria solani und Alternaria alternata. Beide Pilze sind schwer zu unterscheiden und erfordern eine Laboranalyse zur genauen Identifizierung.
Krankheitsbilder der Alternaria-Erreger
Alternaria solani, bekannt für die Dürrfleckenkrankheit, zeigt sich zunächst auf den unteren Blattetagen der Pflanzen. Die Symptome beginnen mit größeren Blattflecken, die konzentrische Ringe bilden. Diese Flecken fließen später zusammen und das befallene Blattgewebe stirbt ab und wird brüchig. Besonders unter feuchtwarmen Bedingungen kann sich der Pilz massiv ausbreiten.
Alternaria alternata hingegen verursacht die Sprühfleckenkrankheit. Sie äußert sich durch kleine Sprenkel auf den meist noch grünen Blättern. Diese frühen Symptome sind oft schon Ende Mai bis Anfang Juni sichtbar. Im späteren Verlauf kann Alternaria solani den gesamten Blattapparat zerstören, da seine Toxine zu Chlorosen der infizierten Blattstellen führen.
Überdauerung und Infektionsbedingungen
Die Erreger können im Boden mehrere Jahre als Myzel oder Sporen überdauern. Ausgehend von diesem bodenbürtigen Inokulum infizieren sich dann die neuen Kartoffelpflanzen. Für eine Infektion benötigt der Pilz warme Temperaturen (über 22°C) und mindestens acht Stunden Blattnässe. Dazu genügt schon Taunässe, da der Pilz Trocken-Nass-Phasen effektiv ausnutzt.
Risikofaktoren und Pflanzenstress
Grundsätzlich sind gestresste Kartoffelpflanzen empfänglicher für Alternariabefall. Trockenheit, hohe Temperaturen, Nährstoffmangel sowie nachfolgende Starkniederschläge können den Befall fördern. Der Zuflug saugender Insekten belastet die Pflanzen zusätzlich, ebenso wie der Faktor Beregnung.
Ertragsrelevanter Befall tritt zudem häufiger bei Sorten der mittelfrühen bis späten Reifegruppen auf. Aber auch die Resistenz- und Toleranzeigenschaften der Sorten selbst sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Das Wissen zur Sortenanfälligkeit reicht aktuell aber nicht für eine sortenangepasste Strategie zur Alternariabekämpfung aus.
Fungizideinsatz zur Ertragsabsicherung
Wie gut ein Fungizideinsatz die relativen Erträge gegen Alternaria absichern kann, zeigt eine Übersicht der Daten aus jährlich angelegten Exaktversuchen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Um eine mögliche Risikosituation für Alternaria zu schaffen, hat man hier spätreife Sorten gepflanzt. In den 59 Versuchen seit 2009 bewirkte der Fungizideinsatz im Schnitt einen Mehrertrag von 8,5%. In Jahren mit günstigen Infektionsbedingungen ließen sich in Einzelversuchen mit anfälligen Sorten sogar Ertragssteigerungen von bis zu 20% nachweisen; so zuletzt in den Jahren 2017 und 2021. Andererseits waren nicht in jedem Versuch Mehrerträge messbar – oft mangels Befall. Das traf besonders in den Dürrejahren 2018 und 2020 zu.
Optimale Bedingungen für die Pilzbekämpfung
Tritt in der zweiten Hälfte der Wachstumsphase Trockenheit auf, kann sich Alternaria besonders gut in den Beständen etablieren und sorgt so für eine vorzeitige Abreife. In diesem Fall gilt es, die Bestände aufmerksam zu beobachten und gegebenenfalls gezielt mit wirksamen Fungiziden einzugreifen. Aber Vorsicht: Durch die fortgeschrittene Resistenzentwicklung bei einigen Wirkstoffen ist der Wirkstoffwechsel essenziell! Wirtschaftlich sinnvoll ist die gezielte Alternariabekämpfung besonders in den späten Reifegruppen der Stärke- und Verarbeitungskartoffeln, da sie die photosynthetisch aktive Blattfläche schützt. In den Reifegruppen 1 und 2 sowie in der Pflanzguterzeugung können Sie auf Fungizide verzichten.