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Vertrauensverlust in etablierte Medien: Eine Herausforderung auch für Agrarjournalismus

In Deutschland zeigt sich ein weitverbreiteter Vertrauensverlust in die etablierten Medien. Eine Umfrage des Instituts „rheingold salon“ ergab, dass ein Viertel der Erwachsenen den klassischen Qualitätsmedien wie Fernsehen, Radio sowie Zeitungen und Zeitschriften die Glaubwürdigkeit abspricht. Ergänzend dazu hat das Institut für Demoskopie Allensbach bereits 2021 festgestellt, dass fast die Hälfte der Befragten eine Einschränkung der Meinungsfreiheit in Deutschland wahrnimmt. Diese Entwicklung macht auch vor den Agrarmedien nicht halt.

Die gesetzlich verankerte Meinungs- und Pressefreiheit bedingt zugleich eine verantwortungsvolle Nutzung dieser Freiheiten durch die Medien. Der Deutsche Presserat setzt sich mit der Überwachung ethischer Standards und journalistischer Richtlinien, wie sie im Pressekodex festgehalten sind, für guten Journalismus ein. Viele Verlage, unter anderem der Landwirtschaftsverlag Münster, richten sich nach diesen Vorgaben. Trotzdem ist der Presserat in der breiten Leserschaft kaum bekannt, und seine Kontrollmöglichkeiten sind begrenzt.

In den sozialen Medien, wo Plattformen wie X, Instagram, TikTok und Facebook agieren, greift der Presserat nicht. Diese Netzwerke folgen nicht dem Pressekodex, was den Bedarf an Kontrolle erhöht, da Falschinformationen, reißerischer Journalismus und zielgerichtete Meinungsbildung dort weit verbreitet sind. Die Verantwortung, die Seriosität von Quellen und die Richtigkeit von Informationen zu prüfen, liegt daher verstärkt bei den Nutzern. Die Vermischung von interessengesteuerter Kommunikation und journalistischen Inhalten auf diesen Plattformen trägt zu einem stetigen Glaubwürdigkeitsverlust bei, wie Studien belegen.

Der Glaubwürdigkeitsverlust der Presse hat vielschichtige Ursachen. Neben dem Einfluss sozialer Medien beeinflussen sechs weitere Faktoren das Vertrauen der Öffentlichkeit: die Herkunft der Journalisten, ihre politische Ausrichtung, ihr Fachgebiet, reißerische Berichterstattung, Doppelmoral und die sogenannte Filterblase. Um die Qualität und Zukunft der Medien zu sichern, ist es essentiell, dass Journalisten unabhängig und unvoreingenommen arbeiten und dass Mediennutzer eine kritische Medienkompetenz entwickeln. Nur so lässt sich die demokratische Basis in Deutschland erhalten.

Wir alle sind gefordert, aktiv gegen die Vertrauenskrise in den Medien vorzugehen und durch qualitativ hochwertige journalistische Arbeit sowie durch Aufklärung das Vertrauen wiederherzustellen. Nur so kann eine freie und demokratische Gesellschaft fortbestehen, die auf neutraler Berichterstattung und Meinungsvielfalt gründet.

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