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Kontroverse um den Kirschlorbeer: Ökologisches Risiko oder Schutz für Singvögel?

Der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), eine in deutschen Gärten beliebte Heckenpflanze, steht zunehmend in der Kritik. Aufgrund seiner Robustheit und Schnellwüchsigkeit ist er besonders in Baumärkten ein gefragtes Produkt. Die winterharte Pflanze bietet mit ihren großen, undurchsichtigen Blättern das ganze Jahr über ein sattes Grün und wird oft zur Gestaltung von Sichtschutzhecken verwendet. Doch Naturschützer sehen in ihm eine ökologische Bedrohung.

In der Schweiz wurde kürzlich beschlossen, den Kirschlorbeer ab dem 1. September zu verbieten. Dies folgt der Einschätzung, dass der Kirschlorbeer ein invasiver Neophyt ist. Als solcher kann er sich unkontrolliert ausbreiten und einheimische Pflanzenarten verdrängen. Diese Fähigkeit stellt eine Gefahr für die lokale Flora und damit verbunden für die gesamte ökologische Vielfalt dar. Die Lorbeerkirsche bietet zudem nur begrenzte Ressourcen für die heimische Tierwelt. Obwohl Vögel wie Amseln und Drosseln seine Beeren fressen, sind die Samen der Pflanze giftig und tragen zur weiteren unkontrollierten Ausbreitung bei.

Ein weiteres Problem ist das starke Wasserziehen der Pflanze, was insbesondere in Naturschutzgebieten zu Schwierigkeiten führen kann, da der Kirschlorbeer dort die Wasserressourcen anderer Pflanzen und die Bodenbeschaffenheit beeinträchtigt. Auch die Pflege der Pflanze gestaltet sich aufgrund ihrer Giftigkeit und der Notwendigkeit regelmäßigen Beschneidens als aufwändig.

Trotz dieser negativen Aspekte gibt es auch Befürworter des Kirschlorbeers. Der Kölner Express bezeichnete die zunehmende Kritik an traditionell beliebten Gartenpflanzen wie Kirschlorbeer, Forsythie und Thuja als „Botanik-Bashing“. Diese Pflanzen seien lange Zeit unproblematisch in deutschen Gärten gewachsen. Dr. Markus Phlippen, ein Biologe und Gartenexperte, hebt hervor, dass der Kirschlorbeer und ähnliche Gewächse wichtige Rückzugsorte für Singvögel bieten können. Er empfiehlt, in Gärten zusätzlich nektarproduzierende Zwiebelpflanzen wie Narzissen, Krokusse oder Blaustern zu pflanzen, um Insekten anzulocken und so die Biodiversität zu fördern.

Die Debatte um den Kirschlorbeer spiegelt die größere Herausforderung wider, mit der Gartenbesitzer und Politiker konfrontiert sind: die Balance zwischen ästhetischen Vorzügen und ökologischer Verantwortung. Während der Kirschlorbeer in manchen Regionen als invasive Art angesehen wird, schätzen andere seine Qualitäten als Sichtschutz und Lebensraum für Vögel.

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