In der Welt der Landmaschinentechnik gibt es Persönlichkeiten, die herausragen und als Pioniere auf diesem Gebiet gelten. Dazu zählen nicht nur bekannte Namen wie Henry Ford und Harry Ferguson, sondern auch andere, die einen wesentlichen Beitrag geleistet haben. Einer davon ist Francesco Cassani aus Treviglio im Norden Italiens.
Ein solcher Wegbereiter ist Francesco Cassani aus Treviglio in Norditalien. Gemeinsam mit seinem Bruder Eugenio gründete er die Società Accomandita Motori Endotermici, heute bekannt als SAME, die mittlerweile Teil des SDF-Konzerns ist und Marken wie Deutz Fahr, Lamborghini und Hurlimann umfasst.
Die Namensgebung des Unternehmens war typisch für die damalige Zeit. Italienische Firmen tendierten dazu, komplexe Bezeichnungen zu wählen, die später zu Akronymen wurden. Der Name SAME bedeutet wörtlich übersetzt „Offene Gesellschaft für Verbrennungsmotoren“, was zunächst keine Verbindung zur Landwirtschaft vermuten lässt.
Die Vision der Cassani-Brüder war es, Dieselmotoren in der italienischen Industrie und Landwirtschaft zu etablieren. Bereits in den frühen 1920er Jahren entwickelten sie einen 40-PS-Traktor mit einem selbst konstruierten Zweizylinder-Motor. Diese Entwicklung war das Ergebnis ihres tiefen Interesses an Dieseltechnologie – zu einer Zeit, als in Italien kaum jemand an diese Technologie glaubte.
Ihr erster Traktor war ein Meilenstein: Im Jahr 1927 gewann er einen staatlichen Wettbewerb gegen Konkurrenten wie Landini und Fiat. Die Brüder arbeiteten unermüdlich an der Verbesserung von Dieselmotoren, was in die Zeit der faschistischen Ära unter Mussolini fiel, die eine große landwirtschaftliche Transformation durchführte.
Mit Unterstützung von Bosch lösten sie technische Probleme bei Dieselmotoren, insbesondere bei Anlasssystemen und Einspritzpumpen. 1941 verkauften sie ihr Einspritzpumpengeschäft an Bosch, bevor Francesco 1942 SAME gründete.
Der erste Produktionsartikel war kein klassischer Traktor, sondern ein kleines 10-PS-Dreirad mit Benzinmotor. In der Nachkriegszeit zielte das Unternehmen darauf ab, kleine Landwirte beim Wiederaufbau zu unterstützen. Francesco konzentrierte sich auf technische Innovationen wie Luftkühlung und Allradantrieb.
Nach dem Tod von Eugenio 1959 führte Francesco das Unternehmen mit bemerkenswerter Weitsicht. In den 1950er und 1960er Jahren entwickelte er SAME zu einem technologisch führenden Unternehmen, das später Deutz Fahr übernehmen konnte.
Was Francesco von anderen Industriellen unterschied, war seine familiäre Unternehmensphilosophie. In seinem spirituellen Testament hinterließ er den Wunsch, dass SAME nicht primär gewinnorientiert sein sollte, sondern Italien eine prestigeträchtige Industrie im Bereich Traktoren und Verbrennungsmotoren bieten würde.
Obwohl dieses Ethos in der heutigen Geschäftswelt möglicherweise nicht überleben wird, zeigt es doch, dass auch große Unternehmen eine Seele haben können.
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