Die Landwirtschafts- und Handelsbranche in Bayern blickt gespannt auf die Entwicklungen rund um die Baywa, deren wirtschaftliche Lage nach wie vor viele Betriebe beschäftigt. Die Baywa, ein zentraler Akteur in der Agrarwirtschaft Süddeutschlands, steht vor einer entscheidenden Wende, nachdem Mitte August ein Rettungspaket in Höhe von 547 Millionen Euro geschnürt wurde. Dieses Paket, beschlossen von Eigentümern und Banken, soll die Liquidität des Unternehmens bis Ende September gewährleisten.
Ein wichtiges Element in der Zukunftsplanung der Baywa ist das in Kürze erwartete Sanierungsgutachten, das gegen Ende September veröffentlicht werden soll. Von dessen Ergebnissen hängt viel ab, denn die Baywa hat insbesondere in der Getreidevermarktung eine Schlüsselposition inne. Ein Vertreter eines bäuerlichen Getreidevermarkters aus der Region betonte die Wichtigkeit der Baywa für die lokale Agrarwirtschaft und beschrieb die potenzielle Schließung des Unternehmens als katastrophal.
Die Baywa dient nicht nur als Hauptabnehmer für viele Getreidebauern, sondern ist auch ein wesentlicher Lieferant für Betriebsmittel wie Düngemittel und Pflanzenschutzprodukte. Ihre Bedeutung variiert zwar regional, doch in vielen Gebieten ist sie die Hauptanlaufstelle für landwirtschaftliche Produkte und Dienstleistungen. In einigen Regionen haben die Bauern zwar alternative Vermarktungsmöglichkeiten, die zentrale Rolle der Baywa bleibt jedoch unbestritten.
Aktuell versucht die Baywa, ihre Liquidität durch den Abbau von Lagerbeständen zu verbessern, was die Unsicherheit unter den Mitarbeitern weiter erhöht. Diese leiden besonders unter der aktuellen Situation, da die interne Kommunikation zu wünschen übriglässt und die Zukunft ihrer Arbeitsplätze sowie ihrer Betriebsrenten unklar ist.
Die Turbulenzen sind nicht neu: Schon in der Vergangenheit hat die Baywa bedeutende Umstrukturierungen vorgenommen, darunter den Verkauf von 79 Standorten im Jahr 2013, hauptsächlich Baustoffhandlungen, und ein Jahr zuvor sogar ihre Firmenzentrale in München. Die Erlöse aus diesen Verkäufen flossen vorrangig in Agrarakquisitionen des Konzerns.