Die BayWa AG, ein bedeutender Handelskonzern mit Sitz in München, befindet sich inmitten eines umfassenden Sanierungsprozesses. Trotz der Zusicherung der Finanzierung bis Jahresende durch wesentliche Finanzpartner, die kürzlich weitere 500 Millionen Euro bereitstellten – insgesamt belaufen sich die Rettungsmaßnahmen nun auf über eine Milliarde Euro – stehen vor allem die Ausgaben für externe Berater im Zentrum der Kritik.
Berichte weisen darauf hin, dass die Beraterhonorare für die mit der Sanierung beauftragten Unternehmensberater, zu denen Roland Berger und AlixPartners zählen, wöchentlich etwa eine Million Euro betragen. Michael Baur, der aktuelle Sanierungschef bei BayWa und stellvertretender Vorsitzender von AlixPartners weltweit, verursacht mit seinem Team Kosten von rund 600.000 Euro pro Woche. Die BayWa AG hat bisher nicht zu diesen Honorarvorwürfen Stellung genommen.
Besonders brisant ist die Rolle von Roland Berger, deren Berater bereits 2008 den damaligen Vorstandschef Klaus Josef Lutz zum globalen Expansionskurs beraten hatten – eine Strategie, die maßgeblich zur aktuellen Krise beitrug. Roland Berger soll für das aktuelle Sanierungsgutachten, das Ende Oktober erwartet wird und konkrete Schritte zur Restrukturierung des hochverschuldeten Konzerns aufzeigen soll, ein Honorar von rund acht Millionen Euro erhalten.
Die Sanierungsstrategie findet breite Unterstützung unter den Gläubigern, wobei mehr als 95 Prozent einem Stillhalteabkommen bis Dezember 2024 zugestimmt haben. Dennoch besteht das Risiko, dass einzelne Geldgeber ihre Kredite sofort fällig stellen könnten, was die finanzielle Lage weiter verschärfen würde.
Ein möglicher Weg zur Bewältigung der Krise könnte das seit 2021 geltende Unternehmensstabilisierungs- und Restrukturierungsgesetz (StaRUG) bieten. Dieses Gesetz erlaubt es Unternehmen in Schieflage, eine finanzielle Neuausrichtung vorzunehmen und Schuldenkürzungen auch gegen den Willen einzelner Gläubiger durchzuführen, sofern eine Dreiviertelmehrheit der beteiligten Gläubiger zustimmt. Aufgrund der komplexen Finanzierungsstruktur der BayWa mit über 300 Finanzgläubigern könnte dieses Verfahren besonders vorteilhaft sein.
Die BayWa betont, dass weiterhin konstruktive Gespräche mit den Gläubigern geführt werden, die sich noch nicht dem Stillhalteabkommen angeschlossen haben. Zudem existiert ein Plan B, der eine gleichmäßige Behandlung aller Finanzgläubiger sicherstellen soll, falls es zu Schwierigkeiten kommen sollte.